Fruchtfolge im Ackerbau
Welche Kulturen wählen, welche Vorteile anstreben, welche Mischungen vermeiden,...

Die Mischkultur ist definiert als die gleichzeitige Kultivierung von zwei oder mehr Pflanzenarten auf demselben landwirtschaftlichen Feld[1]. Die so kombinierten Arten oder Sorten müssen nicht zwingend gleichzeitig gesät und geerntet werden und können als Mischung oder in abwechselnden Reihen angebaut werden[2]. Diese Praxis bietet verschiedene agronomische Potenziale, deren technische Aspekte in diesem Portal zusammengefasst sind.
Artenmischungen
Mischungen mit Doppelernte
Bei dieser Kategorie von Mischkulturen werden alle angebauten Arten geerntet. Die häufigsten Beispiele sind Meteile oder andere Mischungen aus Getreide und/oder Leguminosen. Diese Mischungen einjähriger Arten werden auf Betrieben mit Polykultur und Tierhaltung leichter genutzt, da sie Heu oder Silage liefern, als im Großkulturen-Anbau, wo nach der Ernte eine Trennung der Körner erforderlich ist.
- Erfahrungsbericht von Michel Bromet (11) zur Einführung eines Futtermeteils in der Polykultur Tierhaltung (im Rahmen des Projekt Aglae).
Temporäre Mischungen
Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus einer Hauptkultur, die geerntet wird, und einer Nebenkultur, die als Begrünung vor der Aussaat der Haupt- oder Folgekultur dient. Das assoziierte Raps ist das am häufigsten genannte Beispiel. Wie bei einer Zwischenfrucht erfüllt die Nebenkultur meist einen bestimmten agronomischen Zweck:
- Sie kann als Gründüngung dienen, z. B. wenn eine Leguminosenbegrünung als Zwischenfrucht nach einem Wintergetreide gesät wird, oder als Zwischenfrucht zur Nitratauswaschung (CIPAN).
- Sie kann ein Ziel der Bekämpfung von Bio-Schädlingen verfolgen: z. B. als Fangpflanze (Beispiel: Kombination von Raps mit einer frühblühenden Kreuzblütlerart zur Fangung von Rapsglanzkäfern) durch einen Push-Pull-Effekt oder als allelopathische/biofumigierende Begrünung gegen Krankheiten und Schädlinge oder unterdrückende Arten gegen Unkräuter.
Dauerbegrünung
Diese Art der Mischkultur wird über mehrere Jahre angelegt und erfordert den weitgehenden Einsatz von Direktsaat unter Begrünung. Es handelt sich um eine Technik aus der Bodenschutzlandwirtschaft, deren Ziel es ist, einen Pflanzenbestand über einen großen Teil oder die gesamte Fruchtfolge zu erhalten, um darin die Hauptkulturen anzubauen. Man spricht dann von Direktsaat unter lebender Begrünung. Diese Praxis ist meist nicht mit dem Biolandbau vereinbar, da sie den Einsatz von Herbiziden zur Regulierung der Begrünung erfordert. Ob temporär oder dauerhaft, ist es entscheidend, die Zusammensetzung der Begrünung sorgfältig zu wählen.
- Vortrag der Mitglieder des GIEE MAGELLAN über die Einführung der Dauerbegrünung.
- Erfahrungsbericht des Hofs CHAUMOY (18) über den Einsatz von Direktsaat unter Begrünung (DePhy EXPE).
Alle Praktiken im Zusammenhang mit Dauerbegrünungen sind über das Portal "Dauerbegrünungen im Ackerbau" abrufbar.
Agroforstwirtschaft
Die Agroforstwirtschaft ist definiert als die Kombination von Bäumen mit Kulturen oder Tieren auf demselben landwirtschaftlichen Feld und kann somit als Artenmischung betrachtet werden. Obwohl anspruchsvoll, bietet diese Praxis verschiedene Vorteile:
- Bekämpfung der Bodenerosion.
- Schaffung eines Mikroklimas, das die Erträge der Kulturen fördert (Windschutz und Verringerung der Evapotranspiration).
- Förderung von nützlichen Insekten, die Schädlinge begrenzen.
- Bodenschutz.
Der LER oder "Land Equivalent Ratio"
Der "Flächengleichwertigkeitsfaktor" ist ein Instrument zur Beurteilung der Produktivität einer Mischkultur, indem die Erträge mit denen der einzelnen assoziierten Kulturen verglichen werden[1]. Er wird wie folgt berechnet:

Wenn das Ergebnis lautet:
- Wenn der LER = 1 ist, ist die Mischkultur genauso produktiv wie der Reinertrag der einzelnen Arten.
- Wenn der LER < 1 ist, ist die Mischkultur weniger produktiv: es gibt einen Ertragsverlust gegenüber den Reinkulturen.
- Wenn der LER > 1 ist, ist die Mischkultur produktiver als die Reinkulturen.
Dieser Indikator gibt somit die Fläche an, die in Reinkultur benötigt wird, um denselben Ertrag wie in der Mischkultur zu erzielen.
Beispiel: Eine Triticale-Erbse-Mischung erzielt einen Gesamtertrag von 60q/ha (40q für das Triticale + 20q für die Erbse), während die Reinkulturen folgende Erträge liefern: 70q/ha für Triticale, 30q/ha für Erbse.
Die Berechnung lautet: LER = 40/70 + 20/30 = 1,24.
Man bräuchte also eine Gesamtfläche von 1,24 Hektar in Reinkultur, um denselben Ertrag wie auf 1 Hektar Mischkultur zu erzielen.
Sortenmischungen
Obwohl technisch weniger komplex, können Sortenmischungen ebenfalls als Mischkultur betrachtet werden. Der Hauptvorteil dieser Praxis ist ein widerstandsfähigerer Pflanzenbestand gegenüber pilzlichen Krankheiten oder bestimmten Schädlingen. Für Getreide werden Mischungen mit mindestens drei Sorten empfohlen, da angenommen wird, dass ein Drittel empfindliche Pflanzen durch zwei Drittel resistente Pflanzen geschützt werden kann[3].
- Erfahrungsbericht von Cédric Pradelles (81) über die Wirkung von Sortenmischungen bei Weich- und Hartweizen als Hebel zur Reduzierung des Fungizideinsatzes im Rahmen des Projekt Aglae.
- Erfahrungsbericht des Projekts System-Eco-Puissance4, das den Hebel Sortenmischung nutzt, um ein sehr niedriges Inputniveau im Hartweizen-Sonnenblume-System zu erreichen.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Willey, The Concept of a ‘Land Equivalent Ratio’ and Advantages in Yields from Intercropping. 1979.https://www.cambridge.org/core/journals/experimental-agriculture/article/abs/concept-of-a-land-equivalent-ratio-and-advantages-in-yields-from-intercropping/836E585AC6E04B4DD94F6C2305A26B07
- ↑ Gayrard, L'association de cultures : technicité et biodiversité. Ecophytopic, 2020. https://ecophytopic.fr/pic/prevenir/lassociation-de-cultures-technicite-et-biodiversite
- ↑ Landwirtschaftskammer Gers, Großkulturen: Mischkulturen: Sortenmischungen. 2016. https://gers.chambre-agriculture.fr/fileadmin/user_upload/Occitanie/067_Inst-Gers/documents/grandescultures/Techniques_culturales_innovantes/fiche_techniques_culturales/Les_cultures_associe__es_-_les_me__langes_varie__taux.pdf